Die Stätte

30.04.06

Wenn Rabbi Baruch im Psalm an die Worte kam:“Ich will keinen Schlaf meinen Augen gewähren und meinen Liedern keinen Schlummer, bis ich Gott eine Stätte finde“, hielt er inne und sprach zu sich: „bis ich mich finde und errichte zu einer Stätte, bereit für die Niederlassung der Schechina.“

Schechina

- in der jüdischen Volksreligion der Name für die personifizierte, von Manchen weiblich gedachte Gegenwart Jahves. In der jüdischen Religion nach dem Fall des Tempels und in der Diaspora bekam die Schechina dogmatischen Charakter ohne eigentlich in der Thora verankert zu sein. Das einzige Indiz für die Bedeutung, welche die Schechina bereits im Judentum des Tempels spielte, ist die Ansicht, daß sie auf der Bundeslade, dem Zentralheiligtum der Israeliten im Allerheiligsten des Jerusalemer Tempels ruhen und wachen würde. In der Urfassung des messianisch ausgerichteten Christentums gilt der Taufbericht als Bericht über die (im Messianismus notwendige) Einwohnung der Schechina in Jesus durch die Niederlassung "gleich einer Taube". Dabei ist interessant, daß das Taubensymbol als Symbol der Schechina sich auf die kanaanäische Urgöttin Jahu zurückführt, deren Name "Taube" bedeutet und die durch den Jahve (man beachte den Namensanklang) der israelitischen Nomaden abgelöst wurde. Ohne Zweifel ist hier etwas geschehen, was im ungefähr gleichen Zeitraster auch an anderen Stellen der Menschheitsentwicklung stattgefunden hat: die Ablösung des matriarchalen Urbildes der Religion durch ein patriarchales infolge gesellschaftlicher Grundlagenveränderungen. Im modernen Judentum hat die Schechina einen festen dogmatischen und auch liturgischen Platz ohne daß sie gesondert verehrt würde; sie ist aber unter anderem Legitimation dafür, daß das moderne Judentum den Sektor Geistlichkeit auch für Frauen geöffnet hat.